„Mama, ich bin ein Waldkind“

„Mama, ich bin ein Waldkind“

Seit über einem Jahr geht meine Tochter in die Naturspielgruppe von Deborah Swiatek. Sie ist gerne im Wald und mag die intensive Zeit mit den anderen Kindern. Durch Zufall, wenn es den überhaupt gibt, bin ich auf die Naturspielgruppe aufmerksam geworden.

Es kommt, wie es kommt

Zu der damaligen Zeit befand ich mich gerade in Elternzeit Nummer zwei. Theoretisch wäre meine Tochter in den Kindergarten gegangen. Es kam jedoch alles anders. Die Kita kam mir mit den Bring- und Abholzeiten absolut nicht entgegen. Was ich nicht verstand, denn ich sehe es als Grundgedanken einer Kita an, im besten Sinne für Kind und Familien zu handeln. Daher entschied ich mich vor Ort, meine Tochter nicht mehr in die Einrichtung zu bringen.

Waldzeit
Zu zweit durch den Wald

Nun war ich mit einem Baby und meiner Tochter alleine zuhause. Wir brauchten eine gewisse Zeit, um uns einzuspielen, einen Rhythmus zu finden. Es war eine schöne und intensive Zeit. Irgendwann kam der Moment, da merkte ich, dass meine Tochter neuen Input benötigt. Da ich mich viel um ihren Bruder kümmerte, konnte ich ihr nicht immer die volle Aufmerksamkeit geben, so wie sie sie benötigte. Da kam die Eröffnung der Naturspielgruppe gerade richtig.

Es geht in den Wald

Der Kontakt mit Deborah war schnell hergestellt. Kurze Zeit später folgte schon das erste Beschnuppern. Wir trafen uns an einem schönen Herbsttag im Wald. Meine Tochter hatte als Schutz eine Sonnenbrille auf und ihren Hundi fest an sich gedrückt. Irgendwann im Laufe unseres Treffens gab sie mir ihre Sonnenbrille und Hundi, so dass sie sich frei bewegen konnte.

Wald im Herbst
Der Wald erblüht im herbstlichen Gewand

Es wurden Steine ins Wasser geworfen, der Bachlauf beobachtet, aus Stöckern Dreiecke und Vierecke gelegt und sich langsam beschnuppert. So vergingen ruckzuck drei Stunden, in denen wir viel erlebt und voneinander erfahren haben. Nach unserem Treffen fragte ich meine Tochter, ob sie gerne in die Naturspielgruppe gehen würde und sie bejahte es mit einem Lächeln.

Mama, du kannst gehen

In den Anfängen begleitete ich meine Tochter noch bei ihren Waldabenteuern. Die abrupte Trennung, dass sie gleich alleine mit den Kindern und Deborah in den Wald ging, war gar nicht möglich und natürlich auch verständlich. Alles war neu. Irgendwann, nachdem sie mehr und mehr Sicherheit und Vertrauen gefasst hatte, kam der Punkt, dass meine Tochter zu mir sagte, dass ich gehen kann. Sie war bereit ohne Mama neue Erfahrungen zu machen. Okay.

Seitdem geht sie mit viel Freude bei Wind und Wetter in den Wald. Sie liebt es in den Pfützen zu spielen, Tiere zu beobachten, phantasievolle Geschichten zu erzählen und einfach mal zu sein – ohne Einschränkungen, ohne Regeln, ohne Verpflichtungen.

Beine mit Matsche-Pampe
Eine Schlammpackung für die Beine

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Bewusste Entscheidung für die Naturspielgruppe

Mein Mann und ich sind froh und dankbar dafür, dass wir es unserer Tochter ermöglichen können, dass sie neben der Kita (wir haben für sie eine neue gefunden) weiterhin die Naturspielgruppe besuchen kann. Es ist für sie ein guter Ausgleich zwischen Struktur und Sein, zwischen Reizüberflutung und Ruhe. Da danke ich auch meiner Schwiegermutter, die das Hinbringen und Abholen organisiert.