Der Schneeklumpen-Streit

Der Schneeklumpen-Streit

Heute bin ich Zeuge geworden, dass es Menschen gibt, die ich nicht verstehe und, wo ich hinterher denke: Warum. Doch beginnen wir am Anfang.

1. Akt: Alles kann so schön sein

Trotz eisiger Minusgrade bin ich heute mit den Kids zum Schlittenfahren raus. Der blaue Himmel, die Sonne schien und der Schnee glitzerte – das lockte uns nach dem Schlafen raus in die frische Morgenluft. Dick eingepackt mit Mütze, Schal und Handschuhen schnappten wir uns den Schlitten und stapften durch den Schnee hin zu einer leichten Anhöhe. Die so leicht war, dass wir dem Schlitten immer einen Schups geben mussten, damit er fährt.

Dort angekommen hatte meine Tochter die Idee, Christoph und Sven (Figuren aus „Eiskönigin“) zu spielen. Von einem Schneeberg nahm sie sich Schneeklumpen und legte sie auf den Schlitten. Dabei sang sie die ersten Liedzeilen des Songs „Kaltes Herz“ aus dem ersten Teil der Eiskönigin: „Einst gebor’n aus kalter Luft und Regen aus den Bergen. Die Macht, die eiskalt vor uns liegt, trägt ein kaltes Herz verborgen.“

Es war schön, sie beim Spielen zu beobachten. Denn nachdem sie Christoph war, der den Schlitten belud, ging sie anschließend auf alle Viere und zog diesen in der Rolle des Sven. Sehr authentisch. Jedenfalls spielten wir so vor uns hin und bemerkten erst gar nicht, das dort eine Frau des Weges kam.

Zur Erklärung: Die Anhöhe auf der wir uns befanden, war gleichzeitig eine kleine Nebenstraße auf der die Anwohner mit ihren Autos zur Hauptstraße fuhren. Das bedeutet, uns gegenüber befanden sich drei oder vier Häuser. Nun diese Frau entstammte dem letzten Haus. Davor stand ein Carport mit zwei Autos und davor wir. In der Hand hielt sie Verpackungen, die sie wegschmeißen wollte.

2. Akt: The Lady in Violet

Ich wünschte ihr einen fröhlichen guten Morgen und erhielt ein schnoddriges „Guten Morgen“ zurück. „Okay“ dachte ich, da hat wohl jemand schlecht geschlafen. Doch was dann folgte, entfachte mein Löwenmutter-Blut. Die ältere Dame, gekleidet in einem lila Pullover und einer schwarzen Hose, stellte sich uns gegenüber auf und befahl uns lautstark, dass wir woanders spielen sollen. Ihre Gestik und Armbewegungen meinten damit die komplette Anhöhe. Wir sollten uns vom Acker machen.

Ich fragte in einem monotonen Ton „Warum“. Sie erklärte es damit, dass wir sie stören, denn wenn die Autos raus fahren, wären wir quasi im Weg. Ich entgegnete „Aber sie fahren ja gerade nicht mit dem Autos raus. Und wenn dem so ist, dann gehen wir zu Seite.“ Sie fand mein Argument nicht gut und betonte nochmal, dass wir hier nicht spielen sollen. Dieses Szenarium wiederholten wir dreimal. Immer mit demselben Ausgang. Wir machten uns nicht vom Acker.

Ich fragte sie dann, ob sie nicht selber mal ein Kind war bzw. sogar Enkelkinder hat, die es wahrscheinlich liebten, im Schnee zu spielen. Ich bombardierte sie damit, wie unhöflich sie uns gegenübertritt und ich es nicht verstehe, was für ein Problem sie habe, wenn wir hier spielen. Und ich fragte sie, was bei ihr los sei, dass sie so ist, wie sie ist. Mein Ton wurde schärfer, was meinem Sohn nicht gefiel. Der wurde unruhig und fing an zu jammern.

Sie schaute mich an und sagte, dass sie nicht möchte, dass die Schneeklumpen hier so rumliegen. Da sie lange gebraucht haben, um hier alles freizuschaufeln. Ich fragte sie, warum sie uns diese Info nicht in einem freundlicheren Ton entgegenbringen konnte. Und ob es nötig war, im Vorhinein so ein Fass aufzumachen.

Ein Holzschlitten trägt drei Schneeklumpen
Die üblichen Verdächtigen: der Schlitten und die Schneeklumpen-Gang

Ob ich es verstehe? Nicht wirklich, denn die Straße war frei und die Schneeklumpen zerfielen sofort, wenn man sie berührte. Und ich wage zu behaupten, dass ein Auto die Kraft besitzt, Schneeklumpen zu zerfahren. Was ich aber verstand, war, dass es anstrengend gewesen sein musste, die Straßen vom Schnee zu befreien, da wir es selber gerade hinter uns hatten.

3. Akt: Reue

Sie entschuldigte sich plötzliche für ihre Wortwahl und für ihren Ton bei mir. War es Reue? Im Nachhinein frage ich mich, warum Menschen so sind. Sicherlich ihr Lebensweg sowie ihre Entscheidungen haben sie zu dem Menschen gemacht, so wie wir sie heute erlebt haben. Aber tut es denn Not? Dabei denke ich immer wieder „Schade“ und empfinde ehrlich gesagt Mitleid mit denjenigen. Es kann alles so einfach sein.

Sie verweilte noch einen Moment bei uns ohne irgendwas zu sagen. Wollte sie Kontakt knüpfen? Ich beachtete sie nicht mehr und wendete mich meinen Kindern zu. Meine Tochter war ziemlich eingeschüchtert und ich erklärte ihr die Situation. Wir blieben noch einen Moment und luden Schneeklumpen auf den Schlitten. Die friedliche Spielatmosphäre war verschwunden.

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